|
|
|
 |
 |
 |
 |
UWE BELZ |
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
Wir gedenken unseres Freundes und Kollegen
Uwe BeIz 1937-2002
Am 17. Dezember 2002 ist Uwe Belz verstorben, ein Regisseur, der über lange Jahre mit seinem Talent und seinem Ideenreichtum maßgeblich die Filmproduktion in der DDR mit beeinflusste und entwickelte. Vorrangig war er ein Mann des Dokumentarfilms, das belegen sowohl seine zahlreichen Kinofilmproduktionen als auch Fernsehserien und Reportagen. Fast alle seine Filme entstanden nach eigenen Ideen, die er so überzeugend einzubringen wusste, dass sie fester Bestandteil der Produktionspalette des DEFA-Dokumentarfilmstudios wurden. So war es auch bei seinen Fernsehserien, z.B. ,,Abenteuer im Sajan“ mit Wildwasserflößern auf dem sibirischen Jenissej (6 Folgen) oder ,,Stromabwärts nach Shanghai“ in China auf dem Yangtsekiang von der Quelle bis zur Mündung (8 Folgen). Filme wie ,,Bocaccio“, ,,Toscana rossa“ oder ,,Heinrich Heine in Paris“ gehören ebenso dazu wie Dokumentarfilme über Menschen hierzulande, die Landärztin, die Schrankenwärterin auf der Insel Rügen, den Hafenmeister von Warnemünde oder über den Schiffskoch ,,Smutje Baubi“. Unmöglich, hier eine auch nur annähernde Übersicht der Filmtitel zu geben. Er war einer der produktivsten Filmemacher des Studios. Als Dramaturg und Filmautor habe ich lange Jahre an seiner Seite gearbeitet. Immer wieder war ich überrascht über die Originalität seiner Ideen und Vorschläge, über die Breite seiner Themenauswahl. Ständig war er von dem Wunsch getrieben, Menschen kennen zu lernen, ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft, ihren Interessen und Hoffnungen nachzuspüren und sie in seiner eigenen lockeren und unterhaltsamen Weise auf die Leinwand zu bringen. Das gelang ihm umso mehr, weil die Menschen vor der Kamera spürten, dass hier ein Dokumentarist tätig war, der ihre Ansichten und Gedanken ernst nahm. Er äußerte seine Meinung offen und fand diese Offenheit auch bei seinen Helden. So entstanden ehrliche, berührende Porträts, deren Aussagen tiefe Einblicke in die Lebenssichten und Lebensweisen seiner Protagonisten gaben. Immer war er ein Besessener, der seine Leinwand- oder Fernsehhelden überall fand, einfache Fischer, Ärztinnen, einen international berühmten Chirurg für Augenoperationen, junge Arbeiter und Künstler oder einen ehemaligen General der Bundeswehr. Uwe Belz war nicht nur Filmemacher, auch im Bereich der Unterhaltung war er zu Hause. So entwickelte er z.B. die Idee für die Sendung des DDR-Fernsehens ,,Showkolade“ und inszenierte in der Kleinen Revue des Friedrichstadtpalastes in Berlin mehrere Programme. Er war ein Mann, der sich auf sehr unterschiedlichen künstlerischen Gebieten souverän bewegen konnte. 65 Jahre alt wurde er, als die schwere Krankheit ihn überwältigte und schließlich besiegte. Selbst da war er noch voller Ideen und hatte Vorschläge, die er noch realisieren wollte. Er wollte noch einmal in den hohen Norden Rußlands: noch einmal Sibirien, den Fernen Osten und seine Menschen, die er so liebte, aufsuchen. Den Veränderungen, die in ihrem Leben stattgefunden hatten, nachgehen. Vertrautes aufspüren und Neues erkunden, Lebensumstände dem Zuschauer nahe bringen. Die gewaltige Natur in ihrer Schönheit: leuchtend im Sommer, oft bizarr im Winter haben ihn immer wieder fasziniert und gelockt. Dieses Projekt ist Traum geblieben. Uwe Belz, ein Mann, der immer voll gelebt hat, der nie vor Schwierigkeiten zurückschreckte, der immer alles forderte, konnte ihn nicht mehr verwirklichen. Das Land, aus dem er kam und in dem er arbeitete existiert nicht mehr. Die Filme von Uwe Belz erzählen vom Alltag der Menschen, ihren Gedanken und Hoffnungen, von großen und kleinen Freuden und Kümmernissen. Sie sind ein Stück unseres Lebens.
Dr. Wolfgang Geier
|
|