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DAS JAHR 1946 |
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Claus Drescher Werner Seelenbinder Str. 19 35118 Magdeburg
Das Jahr 1964.
Das Jahr 1964 war das Jahr, in dem ich gleich im kalten Januar und Februar Kontakt hatte mit einem Drehstab und Macherkollektiv der DEFA - Dokumentaristen. Kurz nach dem Ehrendienst 1963 heiratete ich, im Oktober wurde unser Sohn geboren und eine kleine Altbauwohnung (Hinterhof, ehemals Fleischerei) war unsere „Festung".
Mittenrein in diese Planungen „platzte" der Auftrag meines Betriebes (VEB SKL, Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht", Magdeburg): Du musst auf Montage! Im entstehenden EVW (Erdölverarbeitungswerk) Schwedt/Oder wurde für eine Benzingewinnungsanlage Montagehilfe gebraucht. Ein großes Kollektiv von Facharbeitern, speziell Schweißer, Rohrleitungsbauer und Monteure kamen ab Januar 1964 zum Einsatz. 22 Jahre wurde ich damals, junge Familie und nun wieder weg von zu Hause.
Auf der Baustelle im Einsatz, wo der Begriff Ordnung nur Chaos und Durcheinander bedeutete, war für uns alles neu: Arbeit, Freizeit, Unterkunft, 10 bis 12 Stunden Arbeitszeit, alles verbunden mit vielen persönlichen Abstrichen.
Da tauchte eines Tages eine Truppe von der DEFA auf; sie sprachen mit unserem „Chef“, dem Herbert, dass sie, die Filmleute, mit uns zusammen arbeiten wollten, um einen Dokumentarfilm zu drehen, der das Leben auf der Baustelle, in der Unterkunft in Garz, während der Freizeit, in der Familie und in vielen anderen Bereichen widerspiegeln soll.
Karl Gass war der Regisseur dieser DEFA - DOK - Truppe, ein Mann, der das richtige Augenmaß für die Probleme hatte, die das Leben schreibt, und der sie hervorragend widerspiegeln konnte. Die Kontakte zwischen Kameramann, Assistent, Produktionsleiter und technischen Mitarbeitern und unserer Montagetruppe waren ausgezeichnet. Ja, man könnte sagen: „Wir waren eine große Familie“.
So entstand damals der Dokumentarfilm „Asse“ - Eine Reportage zwischen Elbe und Oder. Als „Mitmacher" in diesem Film hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit Filmemachern. Die Gass - Truppe begleitete uns überall dorthin, wo das Leben sich wirklich abspielte. Keiner fühlte sich beobachtet, unsere Bereiche waren die Lebensbereiche der DDR - Menschen: Freizeit, Familie, Gesellschaft und unsere produktive Arbeit, ob nun auf der Baustelle oder in anderen Ebenen, z. B. auch - jeden Abend - in der Konsumecke bei Dolly.
Höhepunkt war natürlich die Premiere des Films „Asse“ in Magdeburg. Kollegen, Freunde und Familie, alle wollten ja nun den Film sehen, denn wir tauchten ja nun alle in diesem Film auf. Natürlich taten sich viele Fragen auf. „Mensch“, so u.a. „ solche Arbeit hattet Ihr - in diesem Dreck - und diese Probleme bei der Organisation! Was ? - Unter diesen Umständen?“ Solche Fragen der Zuschauer konnten ja nur gestellt werden, weil die Wirklichkeit dargestellt war und den Zuschauern ein Bild der Echtheit vermittelt wurde.
Die Beziehungen zu Karl Gass sind in diesen vergangenen vielen - vierzig! - Jahren niemals abgerissen. Er war der Mann, der immer den Blick für die Realität in einer Gesellschaftsordnung hatte, die zwischenmenschliche Kontakte pflegte.
Als ich Karl Gass noch nicht kannte, sah ich als junger „Bengel" seinen Film über den Fischfang in der Barentsee, der Filmtitel ist mir entfallen (das war „Vom Alex zum Eismeer"), aber das Lied „Unser Kurs geht nach Norden in die Barentsee ....." klingt heute noch immer in meinen Ohren.
10 Jahre nach Schwedt kam der Dokumentarfilm „Asse - Anno 74" ins Kino , ein Dokumentarfilm der DEFA, der auf frühere Gass - Filme zurückgriff („Turbine 1" -„Vom Alex zum Eismeer" - „Asse" und „Feierabend") und die „Hauptdarsteller" dieser Filme wieder aufspürte, um ihre Entwicklungen darzustellen, die sie in diesen 10 Jahren bei der Arbeit und in der Gesellschaft durchlaufen hatten.
Zwischenzeitlich hatte sich auch meine Tätigkeit geändert. Ich war zum hauptamtlichen FDJ - Sekretär im SKL aufgerückt und als Abgeordneter in die Volkskammer der DDR gewählt worden. Die lang ersehnte Neubauwohnung (Wartezeit 9 Jahre) stand im April 1974 zum Bezug bereit.
Wieder waren vor Ort die Dokumentaristen der Gass - Truppe, ob beim Einkauf eines Schlafzimmers im Centrum-Warenhaus oder beim Umzug in die neue Wohnung - auch das waren bleibende Eindrücke, nicht zuletzt die technischen Ausrüstungen des Filmstabes: Der Kameramann kniete, angebunden mit einer Wäscheleine, im Kofferraum eines alten PKW „Wartburg", der über eine nicht befestigte, unplanierte Neubaukomplex - Straße fuhr.
Heute noch verbinden uns Freundschaft und persönliche Besuche mit Karl Gass, seiner und meiner Familie.
Nicht zuletzt waren die Dokumentarfilm-Wochen in Leipzig, zu deren Mitbegründern auch Karl Gass gehörte, eine absolute Bereicherung der allseitigen Information. Ich denke, dass der DEFA-Dokumentarfilm als Bildungsträger für die Persönlichkeitsentwicklung und Erziehung der Jugend in der Geschichte des Films einen historischen Anteil hat. Zeigt mit Euren DEFA - Dokumentationen den jetzigen Menschen, wie es war und was wir schon damals konnten - nämlich Informationen und Wissen vermitteln, ohne dass „Persönlichkeitsverdummung" stattfand.
Claus Drescher.
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