|
|
|
 |
 |
 |
 |
ÖKOLOGISCHER FILM |
 |
|
|
Gerhard Knopfe
Der ökologischer Film
Im DEFA Studio für Dokumentarfilme wurden schon relativ früh Filme produziert, deren Autoren und Regisseure den Versuch unternahmen und es wagten, ökologische Probleme bewusst zu machen, obwohl die Propagierung ökologischen Gedankengutes seitens der Partei- und Staatsführung der DDR abgelehnt bzw. für nicht relevant gehalten wurde.
|
|
|
|
|
Besondere Verdienste um den ‚ökologischen’ Film im weitesten Sinne des Wortes erwarb sich Siegfried Bergmann, der von 1959 -1991 im Betriebsteil Babelsberg des DEFA Studios für Dokumentarfilme als Regisseur und Autor vorwiegend biologischer Filme tätig war, ab Ende der 70er Jahre auch als Kameramann (speziell: Tieraufnahmen) wirkte und von 1991 -2002 freischaffend für verschiedene Auftraggeber, darunter den ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg) arbeitete. Seine weit gespannten Themenbereiche umfassten: Biologische Wissenschaften (Filme für Kino und Hochschulen), Landwirtschaft (Filme für Kino, Fernsehen und Lehrfilme), Naturschutz und Ökologie (Filme für Kino und Fernsehen). Siegfried Bergmann wurde am 03.09.1932 in Dresden geboren, nach Absolvierung einer Gärtnerlehre studierte er von 1953-1959 Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, ab 1959 begann er seine Filmlaufbahn als biologischer Assistent bei Dr. U.K.T. Schulz, dem Leiter der biologischen Filmabteilung im damaligen DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme in Potsdam-Babelsberg; ab 1961 war er als Regisseur tätig - bis 2002 schuf er insgesamt 80 Filme. Die ersten Filme Bergmanns informierten zumeist über "streng" biologische Sachverhalte. Ab Mitte der 70er Jahre kam ein spürbares publizistisches Engagement für den Naturschutz und die Propagierung ökologischen Gedankengutes hinzu. Es darf ohne Übertreibung behauptet werden, dass etwa ab 1971 in Bergmanns Filmen ökologische Ideale vermittelt wurden, noch ehe der Terminus Ökologie in der DDR hoffähig wurde. Zur Zeit der Wende 1990/91 arbeitete Bergmann an seinem 70. und 71. Film: "Ein Moor ohne Wasser stirbt“ und „Geschundenes Moor“. Beide Filme zeugen von der Grundhaltung und der Handschrift Bergmanns: biologisches Fachwissen - in diesem Falle über das Biotop eines Moores - wird eng verwoben mit einem emotionalen Engagement für den Naturschutz. Es wurde deutlich davor gewarnt, dass in der DDR durch überzogene Melioration das Biotop Moor kurz vor dem Aussterben stand und dass ein ökologisches Gleichgewicht empfindlich gestört wurde durch einen überzogenen Ökonomismus in der Landwirtschaft. Einige ausgewählte Filme: "Hydra - Sage und Wirklichkeit" (1962). Für diesen Kinofilm über die Biologie des Süßwasserpolypen, eines nur 10-15 mm kleinen Lebewesens, (es war sein 2.Film) erhielt Bergmann bereits zwei internationale Anerkennungen: je ein Diplom auf dem Internationalen Festival für den wissenschaftlichen Film in Budapest und auf dem Internationalen Festival für wissenschaftlich-technische Filme 1962 in Belgrad. Auch Bergmann war mit einer für viele Naturwissenschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts typischen Erscheinung konfrontiert: die Gegenstände der Bio-Wissenschaften entzogen sich mehr und mehr dem Bereich des Sichtbaren und wurden somit "filmfeindlicher". Beispiel: die Codierung der Erbinformation in den doppelspiralförmigen Molekülen von DNS und RNS. Bergmann setzte sich das ehrgeizige Ziel, hierüber eine filmische Auskunft zu geben: "Geheimnisse unter der Eischale" (1966). Der Film brillierte mit zweigeteilten Bildern: reale Mikro-Zeitraffer-Aufnahmen von der Entwicklung einer befruchteten Eizelle wurden kombiniert mit Phasen - Zeichentrickaufnahmen, die das Prinzip der Zellteilung verdeutlichten. Hier verdient auch höchstes Lob die Arbeit des Kameramannes Karl-Heinz Halle, der viele bildtechnische Lösungen fand und auch mit dem nur 16 DIN (un)empfindli-chen ORWO-Color-Material zurechtkommen musste. Die bedeutendste Traditionslinie in Bergmanns Schaffen sind 12 ornithologische Filme, realisiert zwischen 1971 und 1994, u.a.
"Die große Niederung", "Die verbotenen Inseln", "Barther Oie - eine Vogelinsel" und "Das fremde Ei im Möwennest".
Der letztgenannte Film wurde 1988 für das DDR-Fernsehen gedreht. Er ist ein verhaltensbiologischer Film. Es halten sich feinfühlige Tierbeobachtungen über das Brutverhalten von Lachmöwen und wissenschaftliche Experimente die Waage. Für die stimmige Einheit von Wissensvermittlung und Unterhaltung wurde dieser Film mehrfach international ausgezeichnet: auf Kongressen und Filmfestivals der Internationalen Assoziation des wissenschaftlichen Films (AICS) in Ronda/Spanien, Shanghai/China und Brno/CSR.
Einer der letzten Filme Bergmanns entstand für das ORB-Fernsehen in Zusammenarbeit mit der Redaktion OZON. Dieser 1998/99 in ehemaligen Tagebaulandschaften der Lausitz gedrehte Streifen "Verbotene Wildnis" bezieht seine Faszination aus einem vielschichtigen Geflecht von DDR-Industriegeschichte, Problemen der Tagebausanierung und entsprechenden ökologischen und den Naturschutz betreffenden Zusammenhängen. Auf dem "Öko-Media"-Festival in Freiburg i.B. erfuhr der Film eine große Wertschätzung. "Verbotene Wildnis" wurde auch mit dem Bruno-H.-Schubert-Preis, dem höchst dotierten deutschen Preis für Natur und Umwelt, ausgezeichnet. Am 3. September 2002 wurde Siegfried Bergmann 70 Jahre. Als unser Kollege und Freund in einer sehr gut besuchten Veranstaltung im Filmmuseum am 17.09.2002 gesund und munter mit uns seinen 70. Geburtstag feierte, war es unsere größte Freude, dass ihm eine schöpferische Aktivität bis heute erhalten blieb!
|
|
|
|
|
|
DUH-Umwelt-Medienpreis
am 4. Dezember 2003 für Siegfried und Christine Bergmann
Bei einem Festakt im Opernpalais Unter den Linden in Berlin übergab Professor Dr. Harald Kächele, Bundesvorsitzender der Deutschen Umwelthilfe, im Beisein von Bundesumweltminister Jürgen Trittin, die hohen Auszeichnungen.
Aus der Laudatio von Heiderose Häsler, RBB-Brandenburg: Siegfried und Christine Bergmann, Natur- und Tierfilmer, ehren wir für ihr „Lebenswerk“. Mit ihren über 80 vielfach preisgekrönten Filmen prägten und prägen sie maßgeblich die Tier- und Naturfilmgeschichte der DDR und der neuen Bundesländer. Film-Fachleute stellen die Bergmanns in eine Reihe mit Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann. Die „Helden“ ihrer Filme sind die bedrohten Lebewesen unseres Landes. „Hydra – Sage und Wirklichkeit“, ein Film über den winzigen Süßwasserpolypen, war ein frühes Meisterwerk. „Verbotene Wildnis“ aus dem Jahre 1999 dokumentiert Vergangenheit und Schönheit der Tagebaulandschaft in der Lausitz. Viele ihrer Filme für das Biologiefilmstudio der DEFA und für das Umweltmagazin OZON des RBB-Brandenburg präsentierten die drängenden Fragen des Natur- und Umweltschutzes.
|
|
|
|
|
|
Siegfried Bergmann
Erinnerung an meine Lehrer, die Pioniere des Biologie/Natur-Filmes in Deutschland:
Dr. Ulrich K.T. Schulz (Biologiefilm-Pionier Deutschlands) Walter Suchner (Kameramann. - Er war schon von Anfang an mit dabei - als Kamera-Assistent beim alten 'Pappa Krien', der als Kameramann mit UKT die Biologiefilm-Entwicklung begann) Fritz Hammer (Kamera-Assistent und außerdem ein unwahrscheinlich erfahrener Naturbeobachter und Tierpfleger - Eigenschaften, die ihn bei all ihren Naturaufnahmen unentbehrlich machten. Es sind zwar inzwischen über vier Jahrzehnte her, als ich von der Uni Jena kommend, im damaligen DEFA-Studio für Populärwissenschaftliche Filme als 'frischgebackener' Biologe diese 3 wunderbaren Menschen/Film-Enthusiasten kennenlernte. Aber wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke weiß ich, dass mein Denken und Arbeiten noch heute geprägt ist von der Begeisterung des Filmbiologen Dr. Ulrich K.T. Schulz, von der Geduld und Ausdauer des erfahrenen Kameramannes Walter Suchner und von dem Ideenreichtum des Biologie- und Kamera-Assistenten Fritz Hammer. Sie waren meine ersten und ganz wichtigen Biologie-Film-Lehrmeister. Deshalb mein großer Dank an diese drei Filmleute. Es gab wohl kaum etwas, was die 3 nicht schon mal irgendwie vor der Filmkamera gehabt hätten - und das alles immer mit größter Liebe zur Natur - mit dem unbändigen Bemühen, wertvolle 'Natururkunden' zu schaffen, wie es UKT nannte. Alle Filmtechniken, die für den Biologie-Film notwendig und geeignet waren, wurden von ihnen mit Besessenheit ausprobiert und weiterentwickelt: Die Makro- und Mikroaufnahmetechnik, die Zeitraffertechnik, erste Möglichkeiten für Unterwasseraufnahmen (noch mit Tauchanzug und schweren Stativen am Seegrund), der Einsatz von Teleobjektiven und Zeitlupe bei der Tierbeobachtung und Bewegungsanalyse - und nicht zuletzt die Einführung von Ton und Farbe - das alles waren Riesenschritte für die Möglichkeit, Vorgänge im Film sichtbar und verständlich zu machen - und so manches dabei war erstmalig. Von vielen dieser wertvollen Erfahrungen konnte ich profitieren und davon angeregt später selbst versuchen, Lösungen zu finden. Das geschah dann sehr bald mit meiner Frau Christine - als Dramaturgin und Mitautorin der Filme während unserer langjährigen gemeinsamen Arbeit als Filmemacher, aber auch als Vogelwart und im Naturschutz arbeitend. So wurde für uns die Arbeit in der Natur und die Filmarbeit über die Natur eine Einheit. Und das Schönste bei unserer Tätigkeit war, dass wir die Natur stets gemeinsam erleben konnten - Natur, die sich immer wieder neu und anders zeigt, bei jeder Filmarbeit mit erfreulichen oder weniger erfreulichen Überraschungen kommen kann. Natur in ihrer Vielfalt erleben können, ist ein großes Glück – Natur in ihrer Vielfalt erhalten, ist eine unbedingte Notwendigkeit. Auch das sind Gedanken, die mir meine Biologie-Film-Lehrmeister mit auf den Weg gegeben haben.
|
|