|
|
|
 |
 |
 |
 |
H. HAASE |
 |
|
|
Hartmut Haase
|
|
|
|
|
Eigentlich bin ich nur zufällig im DEFA-Dokumentarfilmstudio gelandet. Ich musste mir nach dem Studium an der Filmhochschule Babelsberg eine Arbeitsstelle suchen, da mein delegierender Betrieb mich nicht gebrauchen konnte. Also suchte ich einen Betrieb, der einen Toningenieur einsetzen konnte – und das waren viele, ich war in Magdeburg, in Berlin, in Karl-Marx-Stadt … aber alle hatten einen Mangel – keiner konnte mir eine Wohnung geben. Schließlich erhielt ich über einen der Dozenten den Kontakt zum Dokfilm-Studio. Und da konnte ich auch eine Wohnung bekommen – in einem kleinen Weberhaus in unmittelbarer Nähe zum Studio. Heute ist auch dieses Haus wie viele andere rekonstruiert und bietet einer Werbeagentur Betriebsräume.
Welche Erinnerungen sind 10 Jahre nach Abwicklung der DEFA und damit auch unseres Studios geblieben? Vor allem die an viele angenehme Kollegen, an Gerhard Gartenbach, der mich unter seine Fittiche nahm und mir bei den ersten Schritten im Studio half; Elmar Blimke – fast immer zu Scherzen aufgelegt, mein damaliger Chef Fred Linde, dann waren da die Kollegen meiner Altersgruppe Lutz Laschet, Rainer Pape und natürlich nicht zu vergessen, die Kollegen des Prüffeldes Lothar Winter – bis zum Ende Chef der Tonabteilung – Reinhard Schwoch und unser Mechaniker Manfred Nieber. Tontechnisch waren wir nicht schlecht ausgerüstet – Tonaufnahmegeräte Nagra der Firma Kudelski und Mikrofone der Firma Sennheiser. Damit hatten wir schon damals hochwertige Westtechnik zur Verfügung und in jedem Jahr, wenn wieder Devisen zur Verfügung standen, wurde sorgfältig überlegt was das dringendste war. Wo möglich wurde auf einheimische Technik zurückgegriffen und dann von den Kollegen im Prüffeld intensiv an Verbesserungen gearbeitet. Da wurde manches geschaffen, was wohl auch ein Patent verdient hätte. Problematisch war da die Fahrzeugtechnik – Personentransporte mit B1000 oder dem berühmt-berüchtigten LO-Bus führten zu An- und Abreisetagen sobald man weiter als 150km weg von Potsdam drehte. Und wir waren viel unterwegs. Drehorte waren von Nord – Gager auf Rügen (die Fischer) über den Osten – Eisenhüttenstadt (ein Amateurblasorchester) bis in den Süden – Dresden (Die Villa von Manfred von Ardenne) und Erfurt (Menschen in der Mikroelektronik) oder Römhild (die Töpferlehrlinge und ihre Ausbilderin) zu finden. Da ging es um Pferdezucht in Nordhausen, um die Braunkohle südlich von Leipzig, um den Verkehrskompass in Oberhof oder Dresden und auch die Gesundheit wurde in einem breiten Spektrum behandelt. Manchmal war es schon nicht leicht, für jede Produktion den gleich großen Eifer aufzubringen – schließlich sprangen wir Tonmeister von einem Drehstab zum anderen und jeder Regisseur hielt seine Produktion für die Wichtigste (aus Sicht des Regisseurs ja auch richtig). Oft kam es vor, dass ich mit dem Kameraassistenten der Arri BL Peter Ackermann und seinem Trabbi „Lilli“ von einem Drehteam zum anderen fuhr, um die Volltonaufnahmen zu machen, ansonsten wurde da mit einer stummen Kamera gedreht. Die Wende veränderte dann viel (welche Binsenweisheit). Ich arbeitete an einem Spielfilm für eine Westberliner Firma mit („Das alte Lied“). Dann war da viel Unsicherheit – Was wird aus unserem Studio? Schließlich kam der große Investor aus München – warf alles Alte in Müllcontainer, beschaffte mit Fördermitteln viel neue moderne Technik (ich wurde Leiter der Endfertigung und war an der Einführung von AVID-Schnittplätzen und SGI-Grafikrechner Crimson beteiligt). Und schließlich war auch das wieder zu Ende und das Studio wurde endgültig abgewickelt. Bei den verschiedenen Entlassungswellen gab es dann schon mal böse Worte (Warum muß ich gehen und Du bleibst) aber letztlich war für alle Schluß im Studio. Nach einigem Hin und Her und auch fast zwei Jahren Arbeitslosigkeit fand ich dann meine jetzige Arbeitstelle hier an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die Leitung der Hochschule hatte 1998 die Gründung einer Arbeitsgruppe Medienzentrum beschlossen und ich habe die Leitung übernommen und für die technische Ausstattung gesorgt (http://www.zki.hs-magdeburg.de/zim). Jetzt produzieren wir sowohl Lehrmaterialien als auch Präsentationsvideos. Und da kommen mir meine in DEFA-Zeiten gesammelten Kenntnisse sehr zu Gute, denn hier bin ich Kameramann, Cutter, Beleuchter usw. – wir sind ein 2-Mann Team für alles. Ich denke gerne an meine DEFA-Zeiten zurück und grüße auf diesem Wege alle ehemaligen Kollegen. Hartmut
|
|