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JÜRGEN OVERMANN |
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Jürgen Overmann
Richard Ritterbusch, dem ich für dieses Internetforum danke, hat mich gebeten, durch die Darstellung persönlicher Erlebnisse unsere DEFA-Zeit lebendig zu halten. Natürlich hat jeder, der in irgendeiner Form an der Filmgeschichte in der DDR beteiligt war, seine eigenen guten oder weniger guten Erfahrungen gesammelt, die man an dieser Stelle nur sehr gerafft umreißen kann. Aber jede Form der Darstellung hält die Erinnerung an die DEFA - in diesem Jahr liegt der 60. Jahrestag der DEFA-Gründung - am Leben. Es liegt in der Natur der Sache, dass vordergründig stets über das Endprodukt - also über die Filme und ihre künstlerischen Schöpfer - geschrieben wurde. Aber jeder Film ist auch das Produkt ausgeprägter und bewusster Teamarbeit und des Einsatzes großer technischer Ressourcen – das ist sicher eine Besonderheit der Kunstgattung Film. Ich möchte die DEFA aus meiner Sicht, aus dem Blickwinkel eines großen technischen Bereichs, betrachten. Meine Ausbildung fand Mitte der fünfziger Jahre im damaligen Musterkopierwerk des DEFA Spielfilmstudios statt. Zu dieser Zeit ein im Aufbau begriffenes stolzes Werk mit etwa 120 Mitarbeitern, die im Zweischichtenbetrieb eingesetzt waren. Das größte Ziel aller Anstrengungen war schon damals die technisch einwandfreie Qualität der ausgelieferten Muster und Kopien. Auf mechanische Negativbeschädigungen aller Art oder die Einhaltung aller fotografischen Parameter, wie Gradation, Farbdichte usw. galt es besonders zu achten, was der hausinternen Gütekontrolle zumeist auch gelang. Neben der Einhaltung der chemotechnischen Sollwerte gelang es dem Team auch auftretende Farbabweichungen des Rohfilmmaterials gekonnt zu kompensieren. So schafften wir es, zumeist auch fristgerecht, gute Qualitäten abzuliefern. Das war nur deshalb möglich, weil wir eine gute, fundierte Berufsausbildung hatten. Dabei fallen mir Namen von exzellenten Fachlehrern, wie der Herren Stein und Eckert, ein. Herr Eckert bewarb sich übrigens zur damaligen Zeit als Dozent an der Ingenieurschule für Filmtechnik in Babelsberg - allerdings zwecklos, da man ihm seine Barttracht anlastete. Nach meinem Studium an der Filmhochschule konnte ich bei der DEFA bleiben. Dort hatte ich die Chance, mit Herrn Dipl.Ing. Klaus Kröber im Bereich der "Neuen Technik" einen hervorragenden Lehrmeister kennen zu lernen. Alle auftretenden technischen Probleme des gesamten Spielfilmstudios gelangten direkt vom damaligen Studiodirektor Prof. Wilkening auf unseren Tisch. Hier konnte fast alles einer zufriedenstellenden Lösung zugeführt werden. Im Jahre 1970 lernte ich Karl Gass im DEFA-Studio für Dokumentarfilme kennen und mit ihm eine völlig neue Herausforderung auf dem Gebiet der Kopierwerktechnik. Ich bekam durch ihn die Möglichkeit, in diesem technischen Bereich kreativ tätig zu werden. Wir schufen in seiner damaligen Arbeitsgruppe "Effekt" ein 16mm - Minikopierwerk. Nach einer relativ kurzer Versuchsphase gehörten wir Anfang der siebziger Jahre zu einem der wenigen Labors in der DDR, die den 16 mm-S/W-Negativ-Positiv-Prozeß anbieten konnten, was sich sehr schnell im Lande herumsprach. Selbst der holländische Hersteller der Entwicklungsmaschinen konnte es nicht glauben, dass wir durch eine selbst erarbeitete Doppelbandführung die Kapazität seiner Maschinen verdoppeln konnten. Es folgten für mich meine zehn erfolgreichsten und interessantesten Berufsjahre.
Ich wollte eigentlich nie wieder eine Leitungstätigkeit übernehmen; da wurde ich im Jahre 1980 innerhalb des DEFA-Dok.Studios in den Betriebsteil Babelsberg versetzt, um dort die Leitung der Abteilung Bildtechnik zu übernehmen. Wider Erwarten entwickelte sich in den folgenden zehn Jahren mit völlig neuen Herausforderungen eine für mich erfüllte Berufszeit. Die Zusammenarbeit mit dem Team der Kamerawerkstatt, dem Fotolabor und nicht zuletzt der Kameraassistenten brachte mir neben der ständigen Erweiterung meiner fachlichen Sichtweise vor allem eine enge Verbundenheit mit allen meinen Mitarbeitern, die uns auch heute noch immer wieder zusammenführt. Die "betriebliche Wendezeit", die sich uns als "Firmenvernichtungsstrategie" darstellte, erlebte ich als Technischer Leiter des Dokfimstudios in Babelsberg sicher etwas extremer als andere. Ich wollte an dieser Stelle nur einen groben Abriss meiner "erlebten DEFA" geben, um vielleicht auch anderen Darstellungen dieser Zeit, die wir nicht vergessen sollten, einen Denkanstoß zu geben.
Immer wieder treffen sich die Technik-Kollegen des Betriebsteils Babelsberg des DEFA Studios für Dokumentarfilme
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