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WINFRIED UND BARBARA JUNGE |
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Winfried und Barbara Junge
Die Arbeit von Winfried und Barbara Junge an der der Chronik der Kinder von Golzow hat mich – von dem filmgeschichtlich einmaligem Ergebnis dieser Langzeitdokumentation einmal abgesehen - wegen ihrer Zielstrebigkeit und der Hartnäckigkeit mit der sie ihr Ziel verfolgten immer fasziniert und mir Bewunderung abverlangt. Da Winfried mir versicherte, dass er gegenwärtig zeitlich nicht in der Lage sei, mit mir über die gegenwärtigen abschließenden Arbeiten an seiner Dokumentation zu sprechen, habe ich mit Zustimmung seines Produzenten Klaus Schmutzer, ohne dessen produktive Mitarbeit die letzten Filme wohl nicht entstanden wären, einige Auszüge aus seiner Internetpräsentation übernommen. Unter der Rubrik 'DEFA-Dokfilme kaufen' auf unserer Webseite finden Sie Hinweise, wo Sie die Filme der Golzow-Serie auf VHS kaufen können. R.Ritterbusch
Die Chronik der Kinder von Golzow berichtet von Menschen der Jahrgänge 1953 -1955, die in der DDR geboren wurden, hier aufwuchsen und in der Mitte ihres Lebens nun Bürger der Bundesrepublik Deutschland sind. Im Jahre 1961 - wenige Tage nach dem Bau der Berliner Mauer - gemeinsam in Golzow (Oderbruch) eingeschult und erstmals gefilmt, führte sie das Leben nach acht, zehn oder zwölf Jahren auf verschiedenen Wegen auseinander.
Ihre Geschichten und die mit ihnen verbundenen Blicke auf Lebenswirklichkeiten veranschaulichen ein Stück Geschichte der DDR und des DEFA-Dokumentarfilms. Die nicht beendete Chronik dokumentiert seit 1990 Leben in Zeiten der deutschen Wiedervereinigung.
Als Langzeitbeobachtung ist sie eine Innovation, die - laut einer internationalen Umfrage der Stiftung Deutsche Kinemathek - mit "Lebensläufe" (1980) einen der hundert wichtigsten Filme in hundert Jahren deutschen Kinos hervorbrachte.
Bereits 1985 ging "Lebensläufe" in London in "GUINNESS Film, Fact & Feats" als Film mit der längsten Produktionsdauer der Filmgeschichte ein.
Der Präsident a. D. der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Richard von Weizsäcker, nannte das Projekt in einem Brief an uns ein "einzigartiges Dokument" und "ganz außerordentliches Unterfangen, das jede Anstrengung verdient, zu Ende geführt zu werden".
Der ehemalige Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums Berlin, Prof. Dr. Christoph Stölzl, schrieb uns: "Am Ende des Jahrhunderts werden aus Literatur und Künsten (...) am ehesten die großen, mit langem Atem durchgehaltenen Werke übrigbleiben, die sich die Zeit zum Gegenstand genommen haben (...) und so wird es auch Ihren Golzow-Filmen gehen."
Und der Brandenburger Kultusminister Steffen Reiche stellte anläßlich der BERLINALE-Premiere von "Brigitte und Marcel - Golzower Lebenswege" fest: "Ich denke, daß gerade ihre Form der Langzeitbeobachtung mit Mitteln der Dokumentation zu den herausragenden Leistungen des hiesigen Filmschaffens gehört. Für die Menschen in Brandenburg wird auch dieser Film (wieder) ein Stück eigener Identität widerspiegeln; für andere wird er das Verständnis für die in der DDR aufgewachsenen und sozialisierten jungen und älteren Menschen befördern. Der Film wird somit sicher als Mittler zwischen Ost und West fungieren können; als Botschafter auch einer jungen Filmkunst, die es vermag, sich mit den ihr eigenen Mitteln den Alltäglichkeiten und Besonderheiten einzelner Lebensläufe zu widmen."
Bei der Chronik der "Kinder von Golzow" handelte es sich nie um Filme für ein eingeschränktes Publikum. Das zeigt am besten die Tatsache, daß seit 1961 sämtliche Arbeiten vom Massenmedium Fernsehen übernommen wurden.
Außer dem DDR-Fernsehen (alle neun Filme zwischen 1961 und 1984) zeigten: "Lebensläufe" die ARD (WDR) 1. Programm, das Schweizer Fernsehen und la sept zwischen 1983 und 1991;
"Anmut sparet nicht noch Mühe" - das ZDF 1988;
"Drehbuch: Die Zeiten" das Österreichische Fernsehen (2. Programm 1993 und '97), der ORB 1994, SW III und MDR 1995; Phoenix 2002
"Das Leben des Jürgen von Golzow" - 3sat 1995, ORB 2002
"Die Geschichte vom Onkel Willy ausGolzow", "Was geht euch mein Leben an - Elke, Kind von Golzow" und "Da habt ihr mein Leben - Marieluise, Kind von Golzow" sind Koproduktionen mit ORB und NDR. Beide Sender strahlten diese Filme seit 1996 mehrfach aus. SW 3 übernahm im Juni 1998 "Marieluise", der SFB 2001 alle bis dahin mit der ARD koproduzierten Filme.
Die Filme "Brigitte und Marcel - Golzower Lebenswege" und "Ein Mensch wie Dieter - Golzower" sind Koproduktionen mit ORB, SWR und SR (1998/99). Gesendet hat die Filme auch der MDR.
"Jochen - ein Golzower aus Philadelphia" ist eine Koproduktion mit dem ORB, ausgestrahlt 2002 im Rahmen einer Wiederaufführung aller Porträt-Filme.
"Eigentlich wollte ich Förster werden - Bernd aus Golzow" ist eine Koproduktion mit dem ORB und SFB. Ab 2004 auch gesendet vom RBB und MDR.
Unter dem Titel "Vielleicht bin ich ein Don Quichotte - Winfried Junge und die Kinder von Golzow" realisierten WDR und 3sat 1995 einen einstündigen Porträtfilm, der von beiden Sendern und 2002 vom ORB ausgestrahlt wurde.
Für Soziologen, Lebensweise- und Biographieforscher ist die Golzower Chronik angesichts des Trends, 'Geschichte von unten' als neues wissenschaftliches Feld zu betrachten, von besonderem Interesse. Und nicht zuletzt ist es als ein Stück Geschichte des neueren Dokumentarfilms und der DEFA von Wert. Partner für den Einsatz der Golzow-Filme werden sich weiterhin in Kinos, die sich des künstlerisch besonderen Films annehmen, Hochschulen sowie Volkshochschulen sowie anderen Bildungseinrichtungen finden.
Sie finden bei Zuschauern aus unterschiedlichen sozialen und Bildungsschichten Interesse und bedeuten insbesondere Menschen in den neuen Bundesländern viel. Die Gründe liegen auf der Hand. Mehr und mehr gewinnen sie sich aber auch Publikum im Westen Deutschlands und befördern so auf ihre Weise die innere Einheit unseres Volkes.
Barbara Junge
Geboren 1943 in Neunhofen (Thüringen). Studium an der Karl-Marx-Universität, Diplom als Dolmetscherin/Übersetzerin für Englisch und Russisch. Seit 1969 im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Zunächst verantwortlich für fremdsprachige Fassungen von DEFA Dokumentarfilmen. Seit 1978 auch Betreuung der Archivdokumentation des Golzow-Projekts. Ab 1983 Montage aller Filme Winfried Junges. Seit 1992 Co-Regie. Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg.
Winfried Junge Geboren 1935 in Berlin. Studium der Germanistik an der Pädagogischen Fakultät der Berliner Humboldt-Universität. 1954 Wechsel zur Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. 1958 Diplom-Filmdramaturg. Arbeit als Dramaturgie- und Regieassistent, vornehmlich bei Filmen von Karl Gass. Daneben Filmkritiker der DDR-Studentenzeitung "Forum" und anderer Zeitungen. 1961 Wechsel zum DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Beginn der Golzower Chronik mit "Wenn ich erst zur Schule geh". Seither über 50 Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen, davon 18 über die "Kinder von Golzow". 1967 "Der tapfere Schulschwänzer" - Spielfilm für Kinder im DEFA-Studio für Spielfilme. Nach dem Ende der DEFA Regisseur bei der "Journal-Film Klaus Volkenborn KG". Seit 1994 bei der a jour Film-& Fernsehproduktion GmbH, Klaus-Dieter Schmutzer, und Fortführung des Langzeitprojekts Golzow in Co-Produktion mit dem ORB und anderen Sendern der ARD. DDR-Nationalpreis, andere Ehrungen und internationale Filmpreise. Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg.
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