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I.RITTERBUSCH |
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Blumen für eine Dramaturgin
Für Irmgard Ritterbusch zum 70sten
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„Dramaturgen sind verhinderte Autoren, die man nicht Regie führen lässt“. Ein Satz der Käutner zugeschrieben wird. Nun handelt es sich bei Irmgard Ritterbusch mit Sicherheit nicht um einen Dramaturgen, sondern um eine Dramaturgin. Und zum anderen hat Käutner, als er dieses Bonmot erfand, mit Sicherheit nicht so differenziert emanzipiert gedacht. Er meinte wohl schlechthin den Berufsstand und wollte einfach auf das Eunuchendasein dieser Gattung hinweisen. Sie wissen zwar wie man es macht, aber sie können es selbst nicht. Aus der Überlieferung sind nun aber Beispiele bekannt, nach denen es durchaus Eunuchen gab, die nicht nur wussten wie man es macht, sondern die es auch konnten. Und die im Verborgenen so manches Kind gezeugt haben. Sich damit rühmen hätte den Kopf gekostet. Sie sind bescheiden im Hintergrund geblieben.
Womit wir wieder beim Berufsstand der Dramaturgen sind. Schicksal und Tugend des Berufes – im Schatten der Autoren und Regisseure zu arbeiten – vergessen zu sein, wenn der Erfolg sich einstellt. In dem „Standardwerk“ über den DEFA-Dokumentarfilm „Schwarzweiß und Farbe“ – werden die Dramaturgen wegen dieser sprichwörtlichen Beschei-denheit als Mitarbeiter der Filme gar nicht erst erwähnt. Also möchte ich es tun, für eine Dramaturgin die es verdient hat. Gute Dramaturgen sind ein wichtiger Partner. Gute Autoren und Regisseure wissen das.
Irmgard Ritterbusch: Bei Hans Maier Literatur studiert in Leipzig und bei Ernst Bloch Philosophie. Ihr Vater war Bergarbeiter. Nach dem Diplom 1957 hat sie ihre Arbeit im DEFA-Studio für Kurzfilme begonnen. Und nach einem 2-jährigen Volontariat als Dramaturgin und Autorin für Dokumentar- und Trickfilme gearbeitet – bis 1990 – dem „Aus“ des DEFA-Studios für Dokumentarfilme. Nur wenig Filme habe ich gemacht mit Irmgard Ritterbusch als Dramaturgin. Aber wohl keiner meiner Filme ist ohne sie entstanden. Ich habe immer ihren Rat gebraucht. Sie konnte Bilder sehen und das was hinter den Bildern ist. Sie konnte hinhören und Fragezeichen setzen - war immer ein hilfreich kritischer Geist. Sie hatte gute Lehrmeister.Themen für Filme, die auf Festivals ausgezeichnet wurden, hat sie eingebracht: „Leben wofür“, „7 Sätze über das Lernen“ z.B. – zwei frühe Filme die 1965 und 1967 in Leipzig mit der Silbernen Taube ausgezeichnet wurden. Sie ist zwei mal für ihre Arbeit mit dem Heinrich-Greif-Preis ausgezeichnet worden – ein geachteter Filmpreis in der DDR. Für die gemeinsame Arbeit mit Helga Schütz an dem Film „Zum Beispiel Malen“ hat sie den Theodor-Fontane-Preis der Stadt Potsdam erhalten. Das sind persönliche Erfolge. Aber da ist auch die Arbeit im Künstlerischen Rat des Studios. Das ist Einsatz für Arbeit und Erfolg der Kollegen. Und da ist die Arbeit im Filmkollegium des Verbandes für Film- und Fernsehschaffende, in der Auswahlkommission des Nationalen Festivals Neubrandenburg, in der Sektionsleitung der Sektion Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Das alles war Arbeit für gemeinsame Interessen im Studio und im Verband. Und das war das Vertrauen der Kollegen, die sie gewählt hatten. Vertrauen und Anerkennung von Arbeit und Ehrlichkeit – das Wissen um ihr fachliches Können und ihre Ehrlichkeit im Urteil standen für diese Wahl. Von 1992 bis 2003 hat sie im Rundfunkrat und im Programmausschuss des ORB gearbeitet – als gewählte Vertreterin des Filmverbandes Brandenburg.
Immer bemüht die Dinge so zu sehen wie sie sind und nicht wie sie sein sollten; kritisch und realitätsnah zu bleiben - dafür stehen die Themen ihrer Filme an denen sie als Dramaturgin und Co-Autorin gearbeitet hat. Bei diesem Anspruch an die eigene Arbeit bleiben Schwierigkeiten nicht aus. Und da werden schmerzhafte Erinnerungen gesammelt. Eine scheinbar kleine Arbeit von 1981 – ein Film von knapp 12min. hatte nach wochenlangen Änderungen zwei öffentliche Aufführung. Danach wurde er nicht mehr gezeigt. Mit der offiziellen Begründung: Wir dürften uns nicht in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion einmischen. Valentin Rasputin, der Autor des Romans „Abschied von Matjora“, sagt seine Ansichten über die Folgen des sogenannten gesellschaftlichen Fortschritts. „....es ist an der Zeit darüber zu sprechen“ (RE. E.Potraffke) ein Film über die Verschmutzung des Baikalsees. Das Porträt eines hoch dekorierten Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, der lange Zeit in der DDR gelebt hat, kam erst nach schmerzhaften Veränderungen ins Kino: „Bejdin, Oberst a.D.“ (RE. P.Rocha) Und eine Arbeit im Auftrag des Ministeriums für Kultur – ein Film zum 40. Jahrestag des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland – mit dem Arbeitstitel „Kristallnacht“ (RE. A.Georgie, BU. R.Ritterbusch/I.Ritterbusch) musste nach dem ersten Drehtag abgebrochen werden – auf Weisung der Parteiführung der SED. Das frühe Verbot eines Filmes, bei dem sich die Wirkung nur erahnen ließ. Die Gründe über den Abbruch der Dreharbeiten haben die Autoren nie erfahren. Ein Film der auch in der zweiten ergänzten Auflage von „Schwarzweiß und Farbe DEFA-Dokumentarfilme 1946-92“ nicht erwähnt wird.
Das waren die Schwierigkeiten im Filmgeschäft, neben den Erfolgen. Sie kamen nicht immer so schmerzhaft daher. Doch bei all dem wollen wir nicht vergessen liebe Irmgard, wir hatten auch viel Spaß bei der Arbeit, wenn wir manchmal auch das Handtuch werfen wollten, weil bornierte Haltungen und Staatsdoktrin uns die Arbeit nicht immer leicht gemacht haben. Wir bemühten uns dem zu begegnen - mit Brechtscher „List die Wahrheit zu sagen“. Und wir waren glücklich, wenn wir Eigenes durchbringen konnten. Und wenn 1961 einer deiner ersten Filme „Darf ich Ihnen keine anbieten“ (RE. G.Oelschlägel) auf dem Kurzfilmfestival in Mannheim von der Bundesdeutschen Presse eine so gewaltige Schlagzeile kriegte wie: „Ein Film über die Schädlichkeit des Rauchens in der Zone“ – inzwischen weiß man, dass Rauchen auch im Westen schädlich ist - war ja eigentlich die internationale Kariere vorbestimmt. – Wenn nicht im selben Jahr die Mauer gebaut worden wäre. Vergnügliche Erinnerungen aus der Zeit des Kalten Krieges.
Ein zugegeben nur kleiner Exkurs in 35 Jahre Arbeit. Und nicht ärgern Irmgard, dass so manches in dem „Standardwerk“ über den DEFA-Dokumentarfilm nicht da ist wo es hingehört. Die Bilanz deiner Arbeit ist noch nicht gezogen. Die vorschnelle Sichtung in „Schwarzweiß und Farbe“ wird vorerst eine oberflächliche, individuelle Wertung bleiben. – Ein schnelles Buch. Die korrekte sachliche Bestimmung steht noch aus.
Du wirst 70 Irmchen – wer will das glauben. Wir kennen uns nun fast 50 Jahre. Die Arbeit mit dir war immer produktiv und hat Spaß gemacht. Du warst vielen ein gesuchter Partner. Du warst nicht feige. Man konnte sich auf dich verlassen.
„Für dich soll‘s rote Rosen regnen.“ Nicht nur an diesem Tag. Bleib gesund.
In alter Freundschaft Kurt Tetzlaff zum 2.Juli 2004
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Lalla
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