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KURT TETZLAFF |
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Kurt Tetzlaff auf der Feier zu seinem 70. Geburtstag am 22.Februar 2003 im Filmmuseum Potsdam
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Kurt Eifert
Zum 70. Geburtstag von Kurt Tetzlaff
Verehrte Anwesende, lieber Kurt! Der siebzigste ist nicht irgendein Geburtstag. Siebzig - das könnte man als ein Menschenleben bezeichnen. Was du mit Siebzig nicht geschafft hast, wirst du nicht mehr erreichen. Des Menschen Leben währet siebzig, und wenn es hoch kommt achtzig... Ich weiß nicht, ob das der Festlichkeit des heutigen Tages schon genügt - normalerweise hätte Kurt Tetzlaff bei solchen Sätzen bereits wiehernd oder protestierend den Raum verlassen. Die Autoren dieser Lebensweisheiten sind entschuldigt: sie haben ihn ja nicht gekannt. Und dennoch: vielleicht konnte man in vergangenen historischen Zeiträumen siebzig Jahre leben, ohne dass sich in der Welt wesentliches veränderte - wer heute siebzig wird, der hat in unserem Land historische, gesellschaftliche Epochen durchlebt oder überlebt, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Kurt Tetzlaff, geboren am 22. Februar 1933 in Tempelburg in Pommern. Es war die Zeit, als Adolf Hitler die Macht in Deutschland übernahm. Und als Hitlers Macht zu Ende ging, vertrieb man die Tempelburger aus ihrer Heimat. Es wurde eine Flucht ohne Wiederkehr. Der Name Tempelburg verschwand von der Landkarte. Czaplinek wird heute in polnischen Autokarten als Sehenswürdigkeit ausgewiesen. Querfurt wurde Tetzlaffs neue Heimat - nur für sieben Jahre, bis zum Abitur. Querfurt, eine Stadt mit gerade siebentausend Einwohnern, hat irgendwie dazu beigetragen, dass er zum Film kam: einer seiner Neulehrer war Fritz Gebhardt, eben jener Gebhardt, der sich später als Autor und Regisseur einen Namen machen sollte, und wie Kurt Tetzlaff 1952 zum DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme ging - es wurde eine Freundschaft fürs Leben. Meine Bekanntschaft, meine Freundschaft mit Kurt Tetzlaff begann 1954. Ich kam von der Leipziger Universität nach Babelsberg und wurde im „Popstudio" als Dramaturgieassistent eingestellt, wo Kurt Tetzlaff bereits als Berufskollege tätig war. Es war eine Zeit des Aufbruchs, heute schwer zu beschreiben. Das Studio, hervorgegangen aus der Kurzfilmabteilung der DEFA, bestand erst seit kurzer Zeit. Die Leute, die da arbeiteten, waren von ihrer Mission erfüllt und überzeugt. Junge Menschen zumeist, die den Krieg, die zusammenbrechende Naziherrschaft bewusst miterlebt hatten, einige auch als Soldaten, und die nun ihren Beitrag leisten wollten für ein neues, besseres Deutschland. Ihr Elan, ihre Begeisterung für ihr selbstgewähltes Ziel waren ansteckend, der Sozialismus, den sie anstrebten, erschien als lohnendes Ziel. Ich wurde einer von ihnen und gehörte bald zum engeren Freundeskreis. Der hatte sein Zentrum in Babelsberg, am Griebnitzsee. Rudi und Ruth Schmal gehörten dazu, Fritz Gebhardt und ich, Armin Georgi - und Kurt Tetzlaff natürlich, dessen Tür jedem offen stand, wenn nicht die daneben hängende Schaffnerkelle gerade rot zeigte. Stand sie auf grün, dann wurde Skat gespielt durch lange Nächte, zu Rudi Schmals oder Kurt Tetzlaffs Gitarre gesungen oder heiß diskutiert. Zu essen gab es Mischbrot und Schmalzfleisch, und zu trinken? Das weiß ich gar nicht mehr. In jenem Studio gab es eine sehr enge, kollegiale Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sparten. Diskussionen über Szenarien, über Filmrohschnitte oder zweistreifige Abnahmen waren Foren kameradschaftlicher, konstruktiver Diskussion, in denen wir jungen Leute viel lernen konnten, voneinander und von den Erfahrungen der Älteren, die oft erstaunliche Laufbahnen hinter sich hatten - vom Kunstmaler oder Fotografen bis zum Landwirt, Lehrer oder Kriegsberichterstatter. Entsprechend vielgestaltig waren die Anregungen, die man für die eigene Arbeit erhielt. Jedenfalls reichten sie aus, Kurt Tetzlaff in die Filmhochschule aufzunehmen - was heißt aufzunehmen! Er wurde zum Regiestudium delegiert. Filme, die während des Studiums entstanden, „Auf einem Bahnsteig", „Solang noch untern Linden..." und der Diplomfilm „Die erste Seite einer Chronik" sind mir noch heute, nach einem halben Jahrhundert, in Erinnerung - die Kunst, zu beobachten, hinter die Dinge zu blicken und sie so durchschaubar zu machen für den Zuschauer, zeigt er schon in diesen frühen Arbeiten. 1960 kam er zurück ins Studio - ein Mann mit eigenem Profil. Nicht fertig - nein, er hatte noch einen weiten Weg vor sich. Aber er wusste, was er wollte. Und hatte er eine Haltung zu einer Sache, war es schwer, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. So war er nun Regisseur im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, das 1969, der Entwicklung Rechnung tragend, zum DEFA-Studio für Kurzfilme und später mit dem Berliner Studio zum DEFA-Studio für Dokumentarfilme zusammengelegt wurde. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Schon vier Jahre nach seinem Hochschulabschluss wurde er Dozent an eben jener Institution, 1973 Mitglied des Komitees der Leipziger Dokumentarfilmwoche, 1977 Vorsitzender des Künstlerischen Rates im Dokfilmstudio. Eine erstaunliche Laufbahn! Nicht die eines Funktionärs - nein, es war das Ergebnis einer erfolgreichen künstlerischen Entwicklung. Ausgezeichnete Filme entstanden in dieser Zeit. Ich will hier nur den Film über die Winterschlacht der Kohlekumpel „Im Januar 63" nennen, den Kollwitzfilm „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden", den Kinderfilm „Die Störche bleiben in Buchara" oder „Auf bald in Berlin!", den Film für die Weltfestspiele der Jugend und Studenten - allesamt mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Es ist nur eine Auswahl von 24 Filmen, die bis 1977 entstanden waren. Bis 1977 - inzwischen sind es mehr als 50 geworden! Dass ich gerade 1977 als Einschnitt gewählt habe, ist mehr ein Zufall. Doch bleiben wir dabei: Was hat sich seit seiner Einstellung im Studio alles verändert! Verändert in der Entwicklung der DDR und ihrer Kulturpolitik - Erich Honecker war gerade Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzender des Staatsrates geworden - verändert in der Entwicklung des Films und den Arbeitsbedingungen eines Dokumentaristen! Das Zentrum junger Künstler um Kurt Tetzlaff am Griebnitzsee hatte seine Heimstatt verloren. Als die DDR 1961 ihre Grenzen durch den Bau der Mauer gegen den Klassenfeind absicherte, war auch der Kämpfer Kurt Tetzlaff als Mitglied der Kampfgruppen der Arbeiterklasse eingesetzt. Eine der Konsequenzen war jedoch, dass Griebnitzsee als „Grenzgebiet" mehr und mehr „abgesichert" wurde. Die zauberhaften Häuser wurden ungastlich, kaum noch zugänglich. Kurt zog um, an einen anderen, den Heiligen See. Nun wurde das Haus in der Ludwig-Richter-Straße zu unserem Zentrum, ein Haus, das heute Joop gehört. Damals war es ein echtes Künstlerhaus. Alfred Schmidt und Peter Wilde wohnten und arbeiteten darin, Christian Heinze und Manfred Nitzsche. Kurt baute sich das Dachgeschoss aus; eine Whiskyflasche - Westware - die er dabei einmauerte, ist wahrscheinlich heute in Joop’s Besitz. Rauschende Feste fanden in Tetzlaffs Mansardenpalast statt, heiße Diskussionen, harte Arbeit, lange Skatabende. Manche sagen, es hätte, wie schon am Griebnitzsee, auch Weibergeschichten gegeben. Das Kapitel „Weibergeschichten" habe ich aber, um diese Ansprache zeitlich nicht ausufern zu lassen, gestrichen. Zudem ist Kurt schon längst in festen Händen, und Klein-Erna etc. - wem sagt das heute noch etwas? Alexander, der Stammhalter, der hier heranwuchs und bereits einen Sohn und das Diplom einer Kunsthochschule besitzt, ist quasi das Produkt dieses Künstlerhauses. Als Autor und Dramaturg habe ich in all den Jahren oft mit Kurt Tetzlaff zusammenarbeiten können. „Der Herr von außerhalb oder Der Schlag ins Kontor", der erste Film der je mit Helga Hahnemann gedreht wurde, gewann unsagbar durch meinen Kommentar. Die Dreharbeiten in Kuba für „Auf bald in Berlin" wären ohne meine Dramaturgen- und Dolmetscherleistungen nur halb so erfolgreich gewesen. Ich besitze noch ein Foto vom Karneval 1972 in Havanna: ein Karnevalssternchen - eine verführerische Mulattin - links von ihr der strahlende Siegertyp Tetzlaff, auf der anderen Seite, offensichtlich abgeschlagen, Eifert. Man sollte daraus nicht die falschen Schlüsse ziehen. Wir waren immer besser, wenn wir miteinander statt gegeneinander gearbeitet haben. Die Arbeit eines Dokumentaristen wurde schwieriger, wenn er auf seinen Überzeugungen beharrte. Ich zitiere Kurt Tetzlaff: „Seine Helden sind nicht die Summe von Figuren, geformt zu einer; den Helden im Dokumentarfilm gibt es sinnlich konkret, mit seinen Schwächen und Stärken.... Das verlangt nicht die Miniatur und nicht das Monumentale. Dagegen haben wir, glaube ich, in der Vergangenheit oft gesündigt. „Im Auftrag der Klasse" erzählen wir z.B .auch über den ..... Initiator der Aktivistenbewegung Adolf Hennecke. Im Archiv haben wir nur Material gefunden, das zeigt, wie Adolf Hennecke nach seiner Schicht mit Blumen empfangen wird. Fakt aber ist, dass seine Kinder in der Schule verspottet wurden, dass seine Frau im Laden keine Milch bekam und dass seine Kumpel mit ihm nicht mehr Bier trinken gegangen sind. Die reale Größe seiner Tat blieb im Filmdokument nicht erhalten." Soweit Kurt Tetzlaff. Das zu sagen in jenen Jahren konnte manchen Funktionär aufschrecken. Und wenn in eben jener Zeit, genauer: im Jahre 1974, derselbe Tetzlaff öffentlich äußert: „Ich meine, dass besonders jene, die in den Zulassungsgremien sitzen, lernen müssen, ein wenig genauer hinzusehen und nicht das Plakative und Derbe forcieren und fördern. Da sind wir gut genug. Das andere, glaube ich, müssen wir lernen. Das scheint mir bei uns ein bisschen verschüttet zu sein..." - ist das nicht ungehörig? Spricht das nicht für mangelnde Parteidisziplin? Ich erinnere mich an Diskussionen über inhaltliche Fragen, die, wenn sie nicht bei Studio-Abnahmen oder Abnahmevorführungen in der Hauptverwaltung Film - der für uns zuständigen staatlichen Instanz des Ministeriums für Kultur - zu einem der Parteilinie entsprechenden Resultat geführt hatten, in der Abteilung Kultur des Zentralkomitees der SED mit den Filmemachern, auch mit Kurt Tetzlaff geführt wurden, letztlich bis zum Genossen Kurt Hager selbst - am Ende konnte durchaus auch einmal der Regisseur bei seiner Meinung bleiben. Dann wurde eben ein Film wie „Es genügt nicht, 18 zu sein" verboten. Das heißt: Verbote haben wir nicht zu Dann wurde eben ein Film wie "Es genügt nicht, 18 zu sein" verboten. Das heißt: Verbote haben wir nicht zu hören bekommen. Die Filme wurden einfach nicht aufgeführt. Und was ins Kino kam, wurde in der Hauptverwaltung Film entschieden. Für Leute, die nicht auf dem Gebiet des Dokumentarfilms tätig waren, klingt das unerträglicher als es war. Kurt Tetzlaff war ja, wie viele seiner Berufskollegen, überzeugter Sozialist. Konflikte taten sich da auf, wo man daran ging, sozialistische Ideen zu verfälschen, wie es zu dieser Zeit in zunehmendem Maße geschah. Dennoch: unsere Spartenkollegen vom DDR-Fernsehen, mit dem das Dokfilmstudio immer mehr zusammenarbeitete als die Rolle des Beiprogrammfilms im Kino abnahm, diese Kollegen beneideten uns wegen der politischen Möglichkeiten und künstlerischen Freiheiten, die man beim Dokfilm genoss. „Eine Insel der Seligen" waren wir, denn das Fernsehen unterstand der Abteilung Agitation im ZK der SED, wir der Abteilung Kultur. So kompliziert oder so einfach war das damals. Kurt Tetzlaff schaffte es, auch unter diesen Bedingungen gute Filme zu machen - da ist keiner, für den er sich heute entschuldigen müsste. Viele von ihnen tragen wir bis heute in uns: den großartigen Käthe-Kollwitz-Film „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden", den Film „Er hat Vorschläge gemacht" zu Brechts 80. Geburtstag, und - ganz anders „Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen", den wir heute sehen können, den Film „Lebenszeichen - Notizen über Erwin Geschonneck". Und wieder anders: „Erinnerungen an eine Landschaft - für Manuela" - ein Dorf muss dem Braunkohlentagebau weichen, und nun prallen volkswirtschaftliche und private Interessen aufeinander. Dann 1989 die Wende, dann das Ende der DEFA, der wir fast 40 Jahre zugehörten. Nicht dass er nun seine Gesinnung hätte verleugnen müssen - er hatte ja auch vorher seine kritische Haltung zu den immer offensichtlicher, immer schwerwiegender werdenden Fehlentwicklungen in der Ulbricht- und in der Honecker-Ära deutlich gemacht; dennoch war in mancher Hinsicht Umdenken notwendig. Die Probleme, die nun auftauchten, waren ganz anderer Art. „Am Anfang glaubte ich“ sagte Kurt Tetzlaff über die neue Situation, „Filme machen zu können, mit denen ich eingreifen kann ins Getriebe der Dinge. Aber daran sind die Leute nicht interessiert, die das Geld haben. Und folglich geben sie nichts für solche Filme." Doch auch die Filme, die er nach dem Ende der DDR drehte, waren unverkennbar Tetzlaff-Filme. „Die Garnisonkirche - Protokoll einer Zerstörung" oder „Bis die Russen kamen - Kriegsende in Mitteldeutschland" - er kann sie zeigen neben seinen früheren Arbeiten. Insgesamt sind es bis jetzt, wie gesagt, mehr als 50 Filme. Der Band „Schwarz-weiß und Farbe" verzeichnet an die 20 internationale Preise, von Moskau bis Florenz, von Helsinki bis Phnom-Penh. Orden und Ehrenzeichen wurden ihm verliehen, bis hin zum Nationalpreis der DDR. Ein erfülltes Berufsleben... Erfülltes Berufsleben - das klingt vielleicht zu sehr wie Abschlussbilanz. Noch ist da kein Abschluss, noch hat er sich nicht endgültig zur Ruhe gesetzt. Aber Bilanz ziehen darf man wohl. Der Reichtum, die Vielfalt seines Schaffens, ist aus der Geschichte des Dokumentarfilms nicht wegzudenken. Heute lesen wir ausgefeilte Analysen wissender Kritiker, deren klare Sichten ihnen offenbar erst nach dem Ende der DDR zugewachsen sind. Natürlich sieht man vieles heute anders, umso mehr bleiben Kurt Tetzlaffs Filme Spiegel einer untergegangenen Gesellschaft, aber auch zerbrochener Träume. Sie sind Ausdruck eines - wie Brecht es nannte - „eingreifenden Denkens" - schwer genug in einem System, das künstlerisches Schaffen mit der Elle von Agitation und Propaganda messen wollte. Um das sichtbar zu machen, ist vielleicht die heutige Filmauswahl nicht die glücklichste. Kurt Tetzlaff wohnt nun seit langem in Groß Glienicke, ein Stück entfernt von Potsdam. Er hält Verbindung mit Freunden und Kollegen; aber man geht nicht mehr wie einst auf die Schnelle bei ihm vorbei, auch wenn sein Haus nach wie vor jedem offen steht. Und: von den alten Freunden der Griebnitzseeer Zeit, von den Kampfgefährten der Aufbruchsjahre sind einige schon für immer gegangen. Doch nein - Einsamkeit ist nicht zu befürchten. Schau dich um in diesem Saal: Kollegen sind um dich, die dein Fachwissen schätzen, dein Urteilsvermögen, die mit dir zusammenarbeiten. Freunde sind gekommen, von denen mancher Jahrzehnte lang an deiner Seite stand. Fast könnte man vergessen, Deine Heike und Deinen Alexander zu nennen. Und Franz, den Enkelsohn... „Bleib der Alte!" haben wir uns früher des öfteren ohne Hintergedanken zugerufen. Sagen wir doch besser: Lass uns älter werden, ohne dass wir unsere Jugendträume verraten. Wir wünschen dir auch für die Zukunft das Allerbeste. An unserer Seite!
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Filmographie Kurt Tetzlaff
Kurzbiographie Kurt Tetzlaff, Jahrgang 33. 1952 Abitur. Danach Arbeit als dramaturgischer Assistent im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Babelsberg. 1955 – 1960 Regiestudium an der Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg. Von 1960 bis 1991 Regisseur und Autor im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. 1964 – 1969 auch Lehrtätigkeit an der Hochschule für Film- und Fernsehen der DDR, Potsdam-Babelsberg. Ca. 70 Filme gedreht – Spielfilme, Filme für Kinder, Dokumentarfilme kurzer und langer Metrage mit vorwiegend sozialer Thematik. Auch Arbeiten als Autor für Animationsfilme. Teilnahme an internationalen Festivals, u.a. Mannheim, Oberhausen, Berlin, Jerusalem, Locarno. Preise auf internationalen Festivals: Budapest, Rom, Helsinki, Phnom-Penh, Tampere, Moskau, Leipzig, Florenz, Nyon. Seit 1991 freischaffend. Erste Regiearbeiten:"Auf einem Bahnsteig", Reportage, 5 Min. 2. Preis - Studentenfestival in Rom 1960 Diplomfilm „Die erste Seite einer Chronik", Spielfilm, 60 Min. Bronzemedaille – Studentenfestival Helsinki Wichtige Filme – eine Auswahl „Im Januar 63", 18 Min.(Reportage über die harte Arbeit der Gleisbauer in der Kohle im Winter 63) Festival - Oberhausen und Leipzig, Preis in Leipzig „Es genügt nicht, 18 zu sein", 20 Min.(Erdölarbeiter in ihrem Alltag mit ihren Sorgen und Sehnsüchten.) Der Film wurde verboten. Das Opfer des Dokumentarfilms zum 11. Plenum der SED 1964. Ein ehrlicher Film - aus heutiger Sicht harmlos – der offen Probleme angeht, Leute so reden ließ, wie sie dachten, ohne das sozialistische System in Frage zu stellen. Zum 1. Mal 1991 auf dem Festival in Oberhausen gelaufen. „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden", 18 Min. (Das Ringen der Künstlerin Käthe Kollwitz um ihr plastisches Hauptwerk „Trauerndes Elternpaar". Das „Kriegsopfer" ihr Sohn Peter. Ein schmerzlicher Entwicklungsweg zur entschiedenen Kriegsgegnerin.) Preis Festival Leipzig. „Looping". 80 Min. Spielfilm – Gegenwartsthematik Festival Locarno. „Alltag eines Abenteuers", 40 Min. (Junge Leute und deren trostloser Alltag beim Bau der Erdgastrasse in den Weiten der Ukraine. Ein Film bei dem ich den Vorwurf abwehren musste, wir hätten nur Asoziale gezeigt und nicht die durch Fernsehen und Presse propagierten „FDJ-Brigaden". Das war die ewige Diskrepanz zwischen Wunschbild und Realität, mit der wir uns rumschlagen mussten.) Für mich waren es wunderbare Möglichkeiten eines Gruppenporträts. Wir hatten das Glück, ein halbes Jahr mit den Kumpeln zu leben und zu arbeiten. Wir haben mit ihnen Weihnachten gefeiert und Silvester. Das bringt zueinander. Voraussetzung für Dokumentarfilm. Wir waren rundum begeistert von den Arbeitern, denen wir dort begegnet sind. Von ihrer Offenheit, von ihrer Kraft, mit der sie Entbehrungen auf sich genommen haben, von ihrer Ehrlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein. Davon wollten wir erzählen. Und von ihrer Abenteuerlust und ihrem Geldverdienen. Vom Wunsch, wegzulaufen von zu Hause. Einfach rauszukommen, um ein anderes Land kennenzulernen. Fehlte eine Komponente, fehlte ein Stück Wirklichkeit. Silberne Taube – Festival Leipzig. „Ich werde Artist", 18 Min.(Das harte Training junger Leute an der Artistenschule) Festival Tampere und Mannheim, Hauptpreis in Tampere.1976 „...und sie bewegt sich doch",30 Min. (die Entstehung des Brechtstückes „Leben des Galilei"). Es geht um die Verantwortung des Wissenschaftlers - von Galilei bis Oppenheimer. Brechts Mühen um die maximale künstlerische Umsetzung des Stückes. Erstmaliges Archivmaterial: Die Arbeit mit Laughton in New York, mit Busch am B.E. in Berlin. „Erinnerung an eine Landschaft – Für Manuela", 82 Min. Langzeitbeobachtung über das Braunkohlegebiet am Rande von Leipzig. Der Tagebau vernichtet Dörfer, verändert gewaltsam das Leben der Menschen. Mir wurde vorgeworfen mit den Betroffenen, die ihre Dörfer wegen der Kohle verlassen mussten, zu weinen. (In der Zeit als Produktionserfolge zu preisen waren). Deswegen lag der Film über ein Jahr auf Eis und kam danach kaum in die Öffentlichkeit. Hätte ich nicht mit den Betroffenen geweint, hätte ich den Film nicht machen können. Mir ist dieser Film meine wichtigste Arbeit. „Im Jahr ’32 – Der rote Kandidat", 80 Min. (Eine Kompilation über das verhängnisvolle Jahr 1932 und den Machtantritt der Nationalsozialisten 1933.)Preis auf Festival in Leipzig und Florenz „I’m a Negro, I’m an American", 90 Min. (Der amerikanische Sänger und Bürgerrechtler Paul Robeson in der Ära Mc Carthy’s). „Eine Weltkarriere als Künstler hat er hingegeben für die Freiheit, seine Gedanken zu denken und zu sagen, seine Freunde zu wählen. Dazu braucht man nicht nur Mut, dazu braucht man auch Kraft. Solche Entscheidungen sind mit Opfern verbunden. Nicht auftreten zu dürfen in den Konzertsälen der Welt, nicht verlegt zu werden von den Plattenfirmen, gemieden zu werden von den Kollegen, Freunden aus dem Weg zu gehen, weil man sie nicht gefährden will.“ Zitat aus dem „Sonntag“ 21.8.1988. (Ein Künstlerschicksal, das Assoziationen zu eigenen Schicksalen schafft). Internationales Festival Jerusalem „Im Durchgang - Protokoll für das Gedächtnis", 90 Min. Langzeitbeobachtung über einen Jugendlichen im Jahr 1989. Sein geistiger Protest und seine Aktivitäten stehen schon vor der „Wende" gegen die offizielle Berichterstattung der Medien in der DDR. Ein Stück Auseinandersetzung mit Gegenwart und eigener Vergangenheit. Preis Festival Nyon 1992 „Die Garnisonkirche – Protokoll einer Zerstörung", 60 Min. (Umfangreiches Archivmaterial und Zeitzeugen geben Auskunft über die Hintergründe zur Zerstörung der Garnisonkirche.) Deutscher Preis für Denkmalschutz. „Leben im besetzten Haus", 34 Min. (Junge Leute suchen Lebensalternativen zur etablierten Gesellschaft). „Der lange Abschied von Chemnitz", 45 Min. Aus „Chemnitz" wird „Karl-Marx-Stadt", aus „Karl-Marx-Stadt" wird „Chemnitz". Das Schicksal einer alten Industriestadt ist vor allem das Schicksal von Menschen: Flucht vor den Nazis in den 30ern, Flucht vor den Russen in den 40ern, Flucht vor dem Sozialismus in den 50ern und Flucht in die Arbeit in den 90ern. „Bis die Russen kamen – Kriegsende in Mitteldeutschland", 45 Min. (Die doppelte Besetzung Sachsens und Sachsen-Anhalts – nach den Amerikanern kamen die Russen. Und Schwarzenberg blieb ein Niemandsland mit dem Versuch einer eigenen Republik zwischen den Fronten). "Am Rande eines Krieges", 45 Min. -Der ungarische Aufstand 1956-. (Dokumentation um Hintergründe und politische Intrigen des Ungarnaufstandes 1956 mit Dokumenten und Zeitzeugen.)
Zusammenstellung: Kurt Tetzlaff
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