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 DAS STUDIO
Geschichte des Studios
Ökonomie und Produktion
Technik des Studios

TECHNIK DES STUDIOS
 

Peter Hübner

Zur Technik im VEB DEFA Studio für Dokumentarfilme


 
 


Das DEFA Dokumentarfilmstudio bestand Ende 1989 aus etwa zwei gleich großen Studios (Betriebsteilen) in Berlin und in Babelsberg. In beiden Studios arbeiteten etwa je 450 festangestellte Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das Babelsberger DEFA-Studio (heute PARK STUDIOS) immer über zwei klassische Film-Ateliers verfügte, in denen bekanntlich auch die ersten Spielfilme der DEFA produziert wurden (heute verfügen die PARK STUDIOS über drei Ateliers).

Der Workflow basierte seit den 70er Jahren zu 90 % auf der 35 mm Farb-Negativ-Filmtechnologie, und nur für einzelne Produktionen wurde auf der 16 mm Farb-Negativ-Technologie gearbeitet. Als Filmmaterial wurde vorwiegend ORWO-Filmmaterial eingesetzt, wobei infolge der geringen Empfindlichkeit des QRWO-Materials (in der Praxis oft nur 13-16 DIN) in besonderen Fällen auch Materialien anderer Hersteller – meist KODAK oder AGFA - zum Einsatz kamen, die allerdings zu DDR-Zeiten als Importmaterial infolge der Devisenknappheit nur sehr begrenzt zur Verfügung standen.
Die ORWO-Filmmaterialien wurden überwiegend im eigenen Musterkopierwerk bearbeitet.

Es sei ausdrücklich darauf verwiesen, dass infolge der geringen Empfindlichkeit des ORWO-Materials besonders hohe Anforderungen an die eigenständige Kreativität der Kameraleute gestellt wurden. Zugleich förderte die Arbeitssituation den Gedankenaustausch und die kollegiale Zusammenarbeit der Kameraleute und naturgemäß auch eine enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der technischen Sparten.

Mit ca. 40 - 50 festangestellten Aufnahmeteams (Regisseure, Kameramänner, Toningenieure, Produktions- und Aufnahmeleiter) wurden durchschnittlich 500 Filme verschiedener Genres (einschl. der Sandmann-Abendgrüße) im Jahr hergestellt.
Dafür waren neben künstlerischen auch alle dienstleistungstechnischen Mitarbeiter im Fuhrpark, in den Werkstätten bis zu den Versorgungsbereichen festangestellt.

An Technik standen umfangreiche, sowohl moderne wie z.T. sehr veraltete Kameratechnik (u.a. 60 Aufnahmeeinheiten ARRI 35 und 16 mm), Filmschneidetische aus DDR- und tschechischer Bauart sowie ein eigenes, 1977 neu erbautes Musterkopierwerk zur Verfügung. Einen besonders neuralgischen Punkt der Produktionsabsicherung bildete der hoffnungslos überalterte und für die jeweiligen Auftragsanforderungen wenig geeignete Fuhrpark, da keine benötigten Kleinbusse/Kombifahrzeuge in erforderlicher Anzahl und Qualität zur Verfügung standen (Importe wurden bis auf Ausnahmen nicht genehmigt).

Ab 1985/86 wurde auch begonnen, professionelle Videotechnik (Betacam-Technologie) bei verschiedenen Produktionen einzusetzen. Hierbei wurde von der Studioleitung durchgesetzt, den damals modernsten Standard der analogen Komponenten-Technik auf dem Weltmarkt einzukaufen. Ende 1989 waren daher 8 Kameraeinheiten (SONY- BVW 200/300) sowie 3 kpl. ausgerüstete 4–Maschinen-Schnittplätze im Einsatz, die auch nach der Abwicklung des VEB DEFA Studio für Dokumentarfilme in der Dokfilm GmbH weiter zur Verfügung standen, während die bisherige 35 mm Filmaufnahme- und Bearbeitungstechnik des Studios mit der breiten Entwicklung und dem wachsenden Einsatz der Videotechnik zu Beginn der 90er Jahre im Studio – dessen Filmproduktion für das Kino und andere Auftraggeber zudem mit der Angliederung der DDR wegbrach - keine Perspektive mehr hatte.

(Dipl.-Ing. Peter Hübner war bis 1990 Direktor für Technik im DEFA Studio für Dokumentarfilme. Gegenwärtig arbeitet er als Vertriebsmanager der Sony Deutschland GmbH in Berlin)